Mo - Fr: 07:30 - 12:00, 13:30 - 17:30 Ausschliesslich SS & Jaguar seit 1988 Webcam Kontakt

Der geneigte Leser kennt vielleicht unseren etwas eigenartigen Rapport. Mit vollem Namen PMG Rapport Forté Daimler Double Six S2 Estate. Nach dem Erwerb 2009 begannen wir seine Geschichte zu erforschen und so entdeckten wir seinen Vorgänger – den Einzigen – den Rapport Forté Jaguar V12 CONVERTIBLE. Ohne uns in Details zu verlieren, fristete er ein erbärmliches Dasein unter einer löchrigen Plane im Vorgarten eines – ehrlich! – Schaumbadverpackungssammlers.

Vor zwei Jahren wurde ein englischer 3D Arbeitender wegen dem Rapport auf uns aufmerksam. Wir kamen in Kontakt und seine dringende Bitte war unseren Rapport sehen zu dürfen. Nach wortreichen Telefonaten tauchte der füllige Mann bei uns auf und stellte auch gleich sein Equipment vor, denn er wolle den Rapport scannen, damit er ihn wenigstens in 3D besitzen könne. Er kann sich nämlich noch genau an Zeit und Ort erinnern, als er 1980 im Schulbus gesessen und den Bericht über den Rapport gelesen hätte. Dies habe ihm die Augen geöffnet und seinen Wunsch zum Automobildesigner ausgelöst. Wenn er schon nicht den echten Wagen haben könne, dann wolle er wenigstens meinen scannen. Meine lakonische Antwort, dass wir den Convertible gesehen hätten, wüssten wer ihn besitze und er für kleines Geld (relativ) zu haben sei, brachte ihn völlig aus dem Häuschen und Freudenschweisstropfen bildeten sich auf seiner Stirn.

Seine detektivischen Fähigkeiten machten mich noch viele Male sprachlos: Innert Tagen fand er den Wagen, von dem wir nur noch den Namen des Besitzers wussten. Erstaunlich schnell wurde er mit dem bornierten Hüter des Rapport handelseinig, etwas was uns in keiner Art und Weise gelang, obwohl wir das von ihm verfasste Buch über Panther Cars abkauften und wir unsere tiefste Bewunderung darüber zum Ausdruck brachten. Der Kauf eines Klassikers ist immer ein Abenteuer und so erreichte mich von Stuart, dem 3D Künstler, beim Verladen ein Panikanruf. Die Heckblende fehle! Er hätte sie auf meinem Foto von 2011 gesehen, nun sei sie weg, was er tun solle. Wie ich den netten Bruno (der Eigentümer der letzten 38 Jahre) einstufte war hier nichts zu machen und er solle den Frosch schlucken. Die Energie, die in diesen „Diebstahl“ gesteckt wurde ist eindrücklich. Nicht nur, dass die wirklich elaboraten Heckblenden mit Schriftzug und Reflektoren und Pseudoautonummer offensichtlich sorgfältigst mit einem Heissluftföhn abgelöst worden sind. Zur Vertuschung hatte er Aluminiumbleche zugeschnitten, diese ohne anzuschleifen mattschwarz lackiert und erst noch in völlig falscher Form zwei Rapport Forte Schriftzüge mit generischen Fonten und hässlichen Kreuzschlitzschrauben festgeschraubt. Es wäre um ein vielfaches Einfacher gewesen zu erklären, dass diese Blenden über die Jahre abgefallen und verschwunden seien. Was manchmal in so Köpfen alles abgeht! Dann hörte ich von meinem lieben Stuart nur noch hie und da von seinen neusten Forschungsergebnissen, die mehr als eindrücklich waren. Er schaffte es sogar endlich das einzige Foto – so quasi den heiligen Rapport Gral – zu finden. Die Bestätigung des Mythos; dass der Rapport Forté 1980 am GP in Brands Hatch von Mark Thatcher gefahren worden war.

Fast forward: Vor zwei Monaten ein Mail von Stuart, er hätte den Rapport nun völlig zerlegen lassen. Der Wiederaufbau würde monumental werden – „nein wirklich???“. Covid schmälerte Stuarts Auftragsbuch mit 3D Scanning, darum sei es das Vernünftigste, den Traum aufzugeben und den Rapport zu verkaufen. Er wolle zwischen £7’500.– und £20’000.– fürs Projekt, „as is“. Ich gestand ihm, dass ich mich gerade mit einem XJR5 ins Unglück gestürzt hätte und so weder das nötige Kleingeld noch die Ressourcen zum Kauf dieses Einzelstückes aufbringen könne und wolle. Trotzdem murrte ich, dass ich bei £ 5000.— einfach nicht nein sagen könnte. Wie aus der Kanone geschossen meinte er für £ 5’500 sei der Wagen meiner, inklusive all seiner Forschungen und der spezifischen Website www.rapport-forte.com, denn ich sei der einzig würdige Besitzer dieser Ikone. Was blieb mir anderes übrig als einzuschlagen.

Umgehend stellte sich die Frage um den Transport dieses Dinges. Man hatte die sehr schwere Carrosserie auf einen irriwitzig hohen Stahlrahmen montiert, so dass Oberkant-Fensterahmen 200cm ab Boden betrug. In seinem unverwechselbaren Eifer fand mir Stuart einen 7.5 Tonnen Mietlastwagen. Ich enttäuschte ihn mit meiner Aussage, dass ich unseren Iveco und den geschlossenen Anhänger für diesen Zweck einsetzen würde.

Und so begann die Planung eines wilden, Covid freien, Rittes durch Frankreich, England und die Benelux-Länder.

Der unglaubliche Zufall wollte es, dass uns ein Franzose anfragte, ob wir einen hinteren linken Kotflügel für einen XJ-C und andere Kleinteile hätten. In der Tat hatten wir eine solche Weltrarität an Lager, die er zum Covid Preis von nur Fr. 3800.—von uns erwarb. Wo er denn wohne, wollte ich wissen. Im Norden, in der Nähe von Caen. Ach, dort fahr ich übermorgen vorbei frohlockte ich. So kam er zu einer Gratislieferung des sperrigen Teils, die er grosszügig mit einem ganzen Karton Champagner verdanke!!

Zwei Stunden danach waren wir verschifft in Ouistreham, um schlafend den Aermelkanal zu überqueren. Als Navigator für diese Reise ernannte ich meinen 15 1/2 jährigen Neffen, der zur Strafe wegen eines Bubenstreiches zehn Tage Strafschnupperlehre zu absolvieren hatte. Brav navigierte mich der kleine 1.82 cm lange junge Mann gen Salisbury-Plains. Sein Onkel (ich) zeigte ihm noch freudig den New Forest mit seiner ganz eigenen Vegetation und der auf der Strasse rumirrenden Fauna. Weniger elegant war, dass ich mit meinem einzigartigen Orientierungssinn fast am gleichen Orte wieder auf die Umfahrungsautostrasse zurückfand wo wir sie eine Stunde zuvor verlassen hatten. Kein Problem! Wir hatten ja Zeit. Unsere Tagesaufgabe war nur schnell den Rapport zu verladen. Zwei, vielleicht drei Stunden längstens, und its done!

Denkste: Geschlagene sechs Stunden brauchten wir um den ganzen Wusch Teile zu verladen. Schon der speziell bestellte Dreiachs-Kranwagen war ein Problem weil wir damit nicht in diese Pseudo Disney-Überbauung einfahren konnten. Meine Freude war nach dem erfolgreichen Verladen so gross, dass ich allen involvierten Parteien eine meiner neulich erarbeiteten Flaschen schenkte und den Champagnerkorken meiner Flasche knallen liess.

  • Einziger je gebaute Rapport Forté Jaguar V12 Convertible — Vorgänger des Dönni-eigenen Daimler-Rapport-Estate
  • Komplett zerlegt erworben, inkl. sämtlicher Vorrecherchen und der Website rapport-forte.com
  • Historisch belegt: 1980 von Mark Thatcher am GP Brands Hatch gefahren

← ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT