Mo - Fr: 07:30 - 12:00, 13:30 - 17:30 Ausschliesslich SS & Jaguar seit 1988 Webcam Kontakt

Fast gleichzeitig mit Swallow Coachbuilding wurde Avon Coachbuilding gegründet. Aus Swallow entstand Jaguar, Avon hingegen fehlte einen solch kostenbewussten und determinierten Führer wie William Lyons es war und so schlingerte Avon wenig erfolgreich durch die Automobilgeschichte. Anfangs der 70er Jahre übernahm Graham Hudson New Avon und integrierte den traditionsreichen Namen in seine Carrosseriefirma die von da an unter Ladbroke-Avon firmierte. So kam etwas Ruhe in die turbulente Geschichte dieses legendären Namens. Neben verschiedenen Projekten erregte bei Jaguar-Enthusiasten das aufgeschnittene XJ-C grosse Aufmerksamkeit. Da es in den 70er Jahren kaum mehr Cabriolets gab und im Speziellen keine viersitzigen, baute Ladbroke-Avon doch eine ordentliche Zahl an Cabriolets, und rühriger Geschäftsmann wie Graham war, bot er auch Umbaukits für mutige Heimwerker an.

Er entdeckte bald eine weitere Marktlücke: Den luxuriösen Stationswagen. Seine Wahl fiel auf den XJ der dritten Serie. Vollmundig wurde in der Presse von eine Kleinserie von 500 Einheiten geschrieben. Zeichnen liess er den Wagen vom Designer Peter Stevens zeichnen. Stevens schien dann aber ziemlich verstimmt als er das Endresultat seines Entwurfs sah, um Kosten zu sparen fehlte unter anderem die schwarz lackierte Blende um das merkwürdig geformte Heckfenster. Der Umbau kostete ca. ein Drittel des Neuwagenpreises, nicht günstig. Daher verlief der Verkauf eher schleppend. Uns ist bisher kein Ladbroke Avon Panache bekannt der eine höhere Bodynummer („LASP60″) als 18 trug. Daher kann mit Fug und Recht angenommen werden, dass nicht mehr als 20 Einheiten hergestellt wurden.

Der Erstbesitzer unseres Wagens war der Transport Manager des Rohstoffhändlers Berry Wiggins. Für uns schliesst sich hier ein reizvoller Kreis, denn Berry Wiggins war der ursprüngliche Eigentümer von Forest Lubricants. Diese Firma blendete eine Zeit lang Oel für Penrite Australien. Später kaufte Penrite sogar Forest Lubricants, bis die Site wahrscheinlich amtlich stillgelegt wurde. (Diese Firma blendete echt Oel mitten drin im Forest of Deane. Anlässlich unseres ersten Besuches waren wir umweltbewussten Schweizer gelinde gesagt, etwas beeindruckt.)

Der folgende Besitzer war Andrew Birkin. Bekannter sein Grossonkel Tim Birkin der Bentley Boy und natürlich seine Schwester Jane Birkin. Andrew hingegen ist eher indirekt als Filmregisseur bekannt und jedermann kennt wohl den Film der Name der Rose von Umberto Eco, wo Andrew Co-Regisseur war. Er tauschte seinen Ferrari 400 gegen diesen praktischen Lastenträger ein. Der Wagen lebte ein intensives Leben mit der Familie Birkin. Während man grosse Strecken damit zurück legen konnte, schliefen die Kinder im geräumigen Heck. Für Andrew stets ein schneller Transport von seinem Wohnort in Wales nach London. Andrew erzählte uns einmal wie er genau mit diesem Wagen nach Italien reiste um das Filmen des Brandes des Klosters zu überwachen. Als Birkin den imposanten Stationswagen kaufte war er noch in seinem originalen silber lackiert. Er lackierte ihn dann schwarz, so dass er den Spitznamen „The Old Hearse“ bekam. Als er der schwarzen Farbe überdrüssig wurde er Bentley Racing Green eingedenk seines Onkels. Nur kurze Zeit war er in den Händen eines AA-Patroulleurs, der ihn wiederum silber überlackierte. 1991 entdeckte Karl Wüthrich vom Café Cat in Niederscherli die alternde Schönheit in einer Englischen Publikation und liess ihn durch uns in die Schweiz kommen. Vor der Auslieferung an ihn durften die komplett verrottete Heckklappe restaurieren, bzw. wir kannten das Geheimnis dieser Klappe und so kauften wir einen fabrikneuen Renault 5 Heckdeckel und vereinten diesen mit dem Unterteil eines XJ Deckels. Nur wenige Jahre später konnten wir von ihm den Wagen übernehmen. Seitherhaben wir diese extreme Seltenheit bis aufs Dach komplett überholt und dient uns seit über 25 Jahren als stilvollen Reise- und Servicewagen. Als wir 2020 Andrew Birkin mit seiner „Old Hearse“ wiedervereinten meinte er zu unserer Enttäuschung lakonisch, der Wagen sähe aus wie eine geliftete Hollwood Schauspielerin. Zu seiner Zeit hätte er nie so geglänzt und sei nie so schön und gepflegt gewesen. Dabei hüpfte doch erst unser Herz als er uns erzählte, dass er den Wagen schwarz lackiert hatte, denn eigentlich sollte man ja einen Klassiker in seinem originalen Farbton lackieren, aber aus CI und persönlichen Gründen entschieden wir uns damals quasi fälschlicherweise für Sable, das im Nachhinein mit dem Gespräch dieses berühmten Besitzers plötzlich richtig war. Trotzdem, wir schätzen unsere Merkwürdigkeit sehr, und wahrscheinlich ist es der einzige handgeschaltete Daimler Panache der je hergestellt worden ist.

  • Einer von vermutlich nicht mehr als 20 gebauten Ladbroke-Avon-Panache-Kombiumbauten, Design von Peter Stevens
  • Bewegte Besitzgeschichte, u.a. Filmregisseur Andrew Birkin (Bruder von Jane Birkin)
  • Seit 1991 in der Schweiz, seit über 25 Jahren im täglichen Einsatz als Reise- und Servicewagen von Dönni Classic Cars — vermutlich der einzige handgeschaltete Daimler Panache überhaupt

← ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT